Freunde der Stadtbibliothek Halle e.V.
 
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Lesung mit Knoblauchbutter

Rund 250 Menschen lauschten auf der Burg Gedichten und Prosa von Eichendorff

von Peter Godazgar, 30.06.05

Halle/MZ. Es war einer der Abende, an dem einen die Stadt wieder mal für all ihre Baustellen und Schlaglöcher und Graffiti-Wände versöhnte. Es war ein Abend, an dem einem warm ums Herz wurde, es war ein Abend zum Staunen. Rund 250 Menschen waren am Dienstag kurz vor Sonnenuntergang auf die Oberburg Giebichenstein gepilgert: um einer Lesung zu lauschen. Und um zu picknicken.

Die Stadtbibliothek hatte die ungewöhnliche Aktion organisiert - und deren Leiterin, Hildegard Labenz, blickte vor Beginn der Veranstaltung fast erschrocken drein angesichts der Zuschauermenge, die da unablässig herbeiströmte. "Wir haben gar keine Technik hier", raunte sie und fürchtete, dass die Stimmen der beiden Thalia-Schauspieler nicht übers gesamte Gelände reichen würden. Tatsächlich mussten die Gäste in den hinteren Reihen die Ohren spitzen, um die Texte mitzubekommen, die Harald Höbinger und Enrico Petters lasen.

Sie trugen im munteren Wechsel Gedichte vor sowie die Erzählung "Das Marmorbild" von Joseph von Eichendorff, der vor genau 200 in Halle ein Jura-Studium aufnahm (was auch der Anlass für die Picknick-Lesung war).

So herrschte eine entspannte Stimmung - und wer nicht alles mitbekam, genoss eben den Blick über die Stadt. Viele Gäste hatten Decken und Klapphocker mitgebracht, die anderen ließen sich auf den Mauern der Ruine nieder. Es gab Wein und Bier, Rohkost und Brot, Erdbeeren und Kirschen - und manchmal zog ein Hauch von Knoblauchbutter in die Nase.

Der Männerchor Zwintschöna sang unter der Leitung von Rainer Niephagen zwischendurch einige Lieder, und am Ende natürlich auch Eichendorffs berühmtes "Bei Halle": "Da steht eine Burg überm Tale." Ralf Rößler und Elisabeth Reichelt standen derweil etwas abseits am Turm und bliesen auf dem Waldhorn - wenn Schauspieler Höbinger ihnen, mit einem weißen Taschentuch winkend, ein Zeichen gegeben hatte.

So stieg man nach gut anderthalb Stunden wieder abwärts - und fragte sich sich vor alleim eins: Wann findet eigentlich die nächste Veranstaltung auf der Oberburg statt?


 


Hoch über Halle: Rund 250 Gäste waren am Dienstagabend bei schönstem Sommerwetter auf die Oberburg gepilgert, um zu picknicken und einer Eichendorff-Lesung mit Musik zu lauschen. Und man fragte sich unwillkürlich: Wenn die Burgruine ein solcher Abziehungspunkt ist - warum finden solche Veranstaltungen eigentlich nicht öfter statt? (MZ-Foto: Lutz Winkler)