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Freunde der Stadtbibliothek Halle e.V.
     
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Mitteldeutsche Zeitung, 26.07.2013

Leben kommt ins Archiv

Wolfgang Kupke übergab Tagebuch eines Hallensers.

VON SILVIA ZÖLLER

HALLE/MZ - Zahllose Bücher werden den Freunden der Stadtbibliothek jedes Jahr als Spenden übergeben - darunter war auch ein Tagebuch eines Hallensers, der seine Flucht nach dem Krieg aus dem Sudetenland und sein Arbeitsleben als Kesselwärter in Leuna beschrieben hat. "Es beschrieb das Leben eines einfachen Menschen mit Höhen und Tiefen und war sehr interessant zu lesen. Aber wir konnten ein solches Tagebuch nicht über unsere Bücherbasare verkaufen", sagt Wolfgang Kupke von den Freunden der Stadtbibliothek.

Kupke hatte eine bessere Idee: Er stellte die Lebenserinnerungen dem Deutschen Tagebucharchiv in Emmendingen bei Freiburg im Breisgau zur Verfügung. Dort ist es es archiviert und katalogisiert worden und kann bei Interesse von Wissenschaftlern ausgewertet werden.

Betrieben wird das in Deutschland einzigartige Archiv von einem gemeinnützigen Verein mit rund 90 ehrenamtlichen Mitarbeitern. Seit der Gründung 1998 sind bereits rund 13 000 Tagebücher, Lebenserinnerungen und Briefwechsel dort archiviert worden. Übrigens auch schon über 70 Dokumente aus Halle.

"Am Anfang war es schwierig, aber mittlerweile bekommen wir auch aus Ostdeutschland regelmäßig Lebenserinnerungen zugeschickt", sagt Frauke von Troschke, Vorsitzende des Vereins "Deutsches Tagebucharchiv".

Für Historiker sind Tagebücher interessante und wichtige Quellen; mit ihnen können Alltags- und Mentalitätsgeschichte erforscht werden. Und davon wird vor allem von Studenten oder Wissenschaftlern regelmäßig Gebrauch gemacht, so Frauke von Troschke.

Und genau das, so meint Wolfgang Kupke, ist eine großartige Sache. Tagebücher seien für die Zeitgeschichte interessant - aber viele ältere Leute wüssten oft nicht, wohin mit ihren Lebenserinnerungen. Oft erlebe er das, wenn die Stadtbibliotheksfreunde bei Senioren Bücher für die Basare abholen. Doch leider sei das Tagebucharchiv relativ unbekannt - Kupke selbst ist durch das Internet auf die Einrichtung aufmerksam geworden. "Die Tagebücher werden dort vertraulich behandelt", sagt Kupke - nur die Basis-Informationen seien anonymisiert online abrufbar, nicht der gesamte Inhalt.

In ihrer Benutzerordnung legt das Archiv zudem fest, dass der Bestand nur für wissenschaftliche und publizistische Zwecke zur Verfügung gestellt wird. Urheberrechte und Persönlichkeitsrechte müssen bei einer Verwendung der Tagebücher durch den Nutzer beachtet werden.

Mehr unter: www.tagebucharchiv.de