Freunde der Stadtbibliothek Halle e.V.
     
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Mitteldeutsche Zeitung Halle, 25.7.2011

Bücherinsel am Franckeplatz




Der Freundeskreis Stadtbibliothek und die "Stadtgestalten" wurden von
lesefreudigen Hallensern förmlich bedrängt.


VON KORNELIA PRIVENAU

HALLE/MZ - "Ist da auch was für Kinder in den Kisten?" Roswitha Schrader
nimmt die Gelegenheit zum Stöbern für ihren Enkel wahr: am
Samstagvormittag mitten auf dem Franckeplatz. Schon von weitem leuchtet
die Bücherinsel. Ihre Farben locken an - knallrot und grün. Die Regale
bestehen aus Getränkekisten, fest miteinander verschnürt und bis auf
Augenhöhe gestapelt. So können auch Kinder nach Herzenslust Bücher suchen.

Mancher Besucher wie der Gymnasiast Ronny Weißleder steigt extra aus der
Straßenbahn, um seine Neugier zu stillen - es ist mal etwas los auf dem
Franckeplatz, wo sonst nur Bahnen und Autos das Geschehen bestimmen.
Ronny findet ein Buch über die Weltreligionen, zahlt einen Euro und
meint: "Die Bücherinsel ist 'ne feine Sache."

Eine feine Sache, das finden auch die Initiatoren. Anne Kupke vom
Freundeskreis der Stadtbibliothek hat mit einer so großen Resonanz bei
den Hallensern gar nicht gerechnet. "Wir nehmen auch Bücher an, wenn sie
jemand dem Freundeskreis spenden möchte. Und wer ein Buch für sich
gefunden hat, kann es für einen Euro mitnehmen." Die Insulaner müssen
dieses Prinzip nicht lange erklären. Ein junges Elternpaar bringt gleich
eine ganze Tasche voll Bücher - nicht ohne sich anschließend wieder
neuen Lesestoff zu holen.

Die Idee der Bücherinsel, aufgebaut auf handelsüblichen Paletten, die
mit Kunstrasen belegt wurden, hatten die "Stadtgestalten", kreative
Studenten der Urbanistik am Bauhaus Weimar, die mit ihrem Beispiel der
"Stadtintervention" einen Masterstudiengang abschließen wollen. Der
Architekt Volker Katthagen betreut das Projekt. Drei Events dachten sich
die "Stadtgestalten" für Halle aus. Gestartet haben sie mit dem Café am
Steintor, es folgte das Picknick auf dem Riebeckplatz. Den Abschluss gab
es nun mit der Bücherinsel auf dem Franckeplatz. "Wir haben gezielt Orte
ausgesucht, an denen sonst nicht viel los ist. Offenbar lagen wir damit
völlig richtig. Das zeigt die Neugier der Passanten, ihre Lust
mitzumachen und die Frage, ob die Aktionen fortgesetzt werden", so
Katthagen. So könnten sich viele Gesprächspartner zum Beispiel gut
vorstellen, die Angebote an bestimmten Tagen fest zu installieren und
ein Picknick am Riebeckplatz mit Live-Musik zu verbinden.