Freunde der Stadtbibliothek Halle e.V.
                   
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Mitteldeutsche Zeitung Halle

23.4.2009

Mit Lesen nicht nur die Eltern schocken

3000 Plakate sollen ein Jahr lang für Leseförderung und die hallesche Stadtbibliothek werben

Rund 3 000 Plakate mit der Aufschrift "Schock deine Eltern, lies ein Buch" werden in den kommenden zwölf Monaten im halleschen Stadtgebiet für die Jugendmediathek der Stadtbibliothek werben. Am Mittwochnachmittag erfolgte im Vorfeld des Welttags des Buches 2009, der am Freitag begangen wird, der Auftakt dieser groß angelegten Plakataktion.

Die ersten Plakate wurden an eine Litfaßsäule in der oberen Leipziger Straße aufgebracht. Mit dabei waren unter anderem Hildegard Labenz, die Leiterin der Stadtbibliothek, und Tobias Kogge, Beigeordneter für Soziales und kulturelle Bildung. Auch Bernd Gorzel aus der Geschäftsleitung der Ströer Deutsche Städte Medien GmbH, die die Aktion als Partner unterstützt, lobte die Initiative. "Wir hoffen, dass sie Jugendliche auch wirklich zum Lesen animiert", sagte Gorzel.
  Plakate
Hildegard Labenz, Bernd Gorzel und Tobias Kogge bringen die ersten Plakate an der Säule an. (Foto: Günter Bauer)


Das Motto "Schock deine Eltern, lies ein Buch" ist nicht neu. Anne Kupke, Mitglied des Vereins "Freunde der Stadtbibliothek", der die Plakataktion mitorganisiert, entdeckte es in Karlsruhe. "Die Bibliothek von Halles badischer Partnerstadt warb mit diesem Slogan 2005 und 2006 und hatte damit riesigen Erfolg", erzählt Anne Kupke. Das war für die "Freunde der Stadtbibliothek" Grund genug, den Spruch an die Saale zu holen. Bereits 2006 eröffnete unter dem Motto "Schock deine Eltern, lies ein Buch" die Jugendmediathek.

Diese ist in der dritten Etage der Stadtbibliothek untergebracht und lockt die jungen Nutzer nicht nur mit Büchern, sondern auch beispielsweise mit Computerspielen und CDs, mit Playstation, DVD-Player und Internetzugang. Vielfältige Beschäftigung ist dort also garantiert. Davon zeugen auch Veranstaltungen, die direkt auf die jungen Leute zugeschnitten sind. So gibt es beispielsweise in den Ferien oftmals gesonderte Programme. Ab sofort sind auch T-Shirts mit dem Schock-deine-Eltern-Slogan dort zu haben. "Die Jugendmediathek ist von Anfang an gut von den jungen Leuten angenommen worden", freut sich Hildegard Labenz, die allerdings bedauert, dass der Raum, in dem die Jugendmediathek untergebracht ist, eigentlich ein wenig klein ist.

Umso mehr freut sich die Leiterin der Stadtbibliothek aber, dass die "Freunde der Stadtbibliothek" jedes Jahr finanzielle Mittel zum Kauf von neuen Medien zur Verfügung stellen, damit das Angebot der Bibliothek aktuell und vielseitig bleibt. Allein im Jahr 2008 waren es 20 000 Euro.

"Es ist ein besonderes Anliegen unseres Vereins, die Stadtbibliothek bei der Gewinnung neuer Leser, vor allem junger Leser, zu unterstützen", sagt Anne Kupke. Und genau das ist auch der Wunsch von Tobias Kogge, der hofft, dass sich die Kundenzahlen wirklich verändern. "Die Bildung und Freizeitgestaltung des Nachwuchses liegt mir sehr am Herzen", meint er und sieht das Lesen als wichtigen Fakt für die Persönlichkeitsentwicklung der jungen Menschen und für die Pflege der deutschen Sprache.

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Kommentar

Detlef Färber findet die erneuerte Bibliothekswerbeaktion lobenswert, aber auch entwicklungsfähig.

Lesen besänftigt das Wesen
Der Slogan hat was - gar keine Frage: "Schock deine Eltern, lies ein Buch!" hat schon anderswo - und in den letzten drei Jahren auch in Halle - aufhorchen lassen. Der Spruch hat wohl auch Wirkung bei der jugendlichen Zielgruppe gezeigt. Damit ergänzt diese Bibliotheksaktion andere Kampagnen der Stadt wie "Halle liest", die dem stillen aber phantasieanregenden Dialog mit den Welten zwischen zwei Buchdeckeln offenbar bei vielen Hallensern neue Impulse gegeben haben.
Das Ziel, diese oft mühsam erscheinende "konservative" Variante der geistigen Weltaneignung auch unter Jugendlichen zu popularisieren, ist natürlich unumstritten. Und man könnte auch sagen, dass es egal ist, wie dieses Ziel erreicht wird: Und sei es eben mit dem Mittel des Schocks.
Doch lässt diese für die Plakataktion genutzte Schockwirkung irgendwann nach. Und was dann? Vielleicht wollen schockgeplagte Eltern oder Lehrer ja irgendwann an den Lesefrüchten der Jugend teilhaben. Etwa daran, dass das Lesen deren Wesen besänftigt. Dafür könnte ja dann das neue Motto lauten: "Überrasch' deine Eltern - lies weiter!"