Freunde der Stadtbibliothek Halle e.V.
       
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Mitteldeutsche Zeitung, 22. 10.2009

Halles Botschaft in aller Welt

Ein Werbeplakat für die Stadtbibliothek wird international nachgefragt. Verein organisiert Nachdruck. Uni übernimmt Versand an Schulen im Ausland.


Katharina Rommel verschickt das Plakat mit der witzigen und eindringlichen Werbebotschaft an Partnerschulen in aller Welt. FOTO: GÜNTER BAUER

In der kommenden Woche gehen sie auf die Reise: Die großformatigen Plakate mit der provokanten und in Halle längst bekannten Aufschrift "Schock Deine Eltern - lies ein Buch". Die Empfänger indes sitzen an ganz verschiedenen Orten, genauer gesagt in 20 Ländern des Erdballs: im südafrikanischen Johannesburg ebenso wie in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba, im ägyptischen Kairo, in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul genau wie in San Salvador, der Hauptstadt von El Salvador, oder im irischen Dublin. Der Grund für ihren Versand ist so einfach wie erfreulich: "Schüler oder Lehrer der dortigen Schulen sind während ihres Besuches in Halle auf das Plakat aufmerksam geworden", sagt Katharina Rommel von der Uni Halle.

 

"Die witzige Botschaft spricht die Leute einfach an", sagt die 27-jährige Lehramtsstudentin, die im Akademischen Auslandsamt der halleschen Alma mater als wissenschaftliche Hilfskraft arbeitet. Dort betreut sie im Rahmen eines Projekts deutsche Schulen im Ausland, die mit der Uni Halle partnerschaftlich verbunden sind. Erst im Juni dieses Jahres waren internationale Schüler aus eben diesen Schulen zu Gast in Halle. "Viele von ihnen haben uns auf das Plakat angesprochen, weil sie es für ihre Schulbibliothek haben wollten", sagt Rommel, die diese Wünsche damals nicht erfüllen konnte. Denn das Plakat war schlicht vergriffen.
"Aufgrund der großen Nachfrage haben wir uns entschlossen, auf eigene Kosten 500 Exemplare nachdrucken zu lassen", sagt Wolfgang Kupke vom Verein "Freunde der Stadtbibliothek", so dass Katharina Rommel nun die Wünsche der ausländischen Schüler erfüllen kann. "Sie wissen noch gar nichts von ihrem Glück", sagt Rommel, die für die Linken im halleschen Stadtrat sitzt.
Ursprünglich sollte das Plakat mit der provokanten Aufschrift lediglich für die Stadtbibliothek in Halle werben. Doch sehr schnell war klar, dass daraus mehr werden könnte. "Wir bekamen ständig Anfragen, sowohl von Hallensern als auch von Leuten aus allen Teilen der Bundesrepublik", sagt Kupke und verweist auf die jüngste Mail in dieser Angelegenheit: Sie kam aus Ludwigshafen am Rhein und stammte von einem Referendar, der das Plakat in seinem Gymnasium aufhängen wollte.
Kupke und sein Verein freuen sich zwar über den erstaunlichen Siegeszug, den das Plakat nun quasi weltweit angetreten hat. Aber sie hoffen auch, dass das noch nicht alles ist. Denn es soll natürlich in aller erster Linie einen direkten und fühlbaren Effekt für die Stadtbibliothek erzielen. Soll heißen: "Wir wünschen uns, dass wieder mehr Hallenser anfangen, zu lesen", so Kupke.
Denn nur etwa sechs Prozent der Bevölkerung in der Saalestadt seien momentan im Besitz einer Lesekarte für die Stadtbibliothek. Dies sei eigentlich zu wenig, weshalb der Verein helfen wolle, diese Zahl unbedingt zu steigern. Auch deshalb sorge man dafür, den Bücherbestand stets aktuell und auf dem Laufenden zu halten. Kupke: "Die Stadtbibliothek ist wirklich gut sortiert."

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Kommentar

INES KRAUSE
meint, dass nicht immer eine teure Werbe-
kampagne nötig ist, um etwas zu erreichen.

Eine Idee mit Pfiff
Es kann so einfach sein, auf sich aufmerksam zu machen. Man braucht dazu einfach nur eine pfiffige Idee. Und die muss nicht einmal Gegenstand einer kostenintensiven Werbekampagne sein. Wenn sie wirklich gut ist, scheint alles Weitere fast von allein zu funktionieren. Wie sonst wäre der riesige Erfolg zu erklären, den eine Aktion des Vereins "Freunde der Stadtbibliothek" ausgelöst hat. Dieser ließ die Botschaft "Schock Deine Eltern - lies ein Buch" auf ein Plakat drucken. Zunächst war man davon an der Uni begeistert. Offenbar war der Slogan aber so eingängig, dass er nicht nur die Hallenser in seinen Bann zog. Mittlerweile wird der Spruch samt Plakat von internationalen Gästen wahrgenommen.
Das ist gut für alle Beteiligten. Denn die ausländischen Schüler, die den Spruch während ihres Besuchs an Halles Uni entdeckt haben, lernen so nicht nur die Stadtbibliothek und die Hochschule kennen. Sie nehmen Halle auch als positiven Ort wahr. Vielleicht sogar als eine Stadt, in der es sich zu studieren lohnt. Was kann es besseres geben?