Freunde der Stadtbibliothek Halle e.V.
 
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Mitteldeutsche Zeitung Halle, 22.12.2009

FÖRDERVEREIN

Protest gegen Schließung der Stadtbibliothek

Keine Buchausleihe zwischen Feiertagen

HALLE/MZ/CZE - In Halles Stadtbibliothek ist zwischen Weihnachten und Neujahr keine Buchausleihe möglich. Die Einrichtung beteiligt sich erstmals an den Betriebsferien der Stadtverwaltung, die mit den Weihnachtsfeiertagen beginnen. "Sie öffnet erst wieder am 4. Januar", bestätigt Ria Steppan vom Presseamt der Stadt gegenüber der MZ. Gegen diese neue Regelung protestiert der Verein Freunde der Stadtbibliothek.

"In früheren Jahren hatten zwischen Weihnachten und Neujahr alle Zweigstellen geöffnet", erklärt Vereinschef Wolfgang Kupke. "Diesmal bleiben wegen zu dünner Personaldecke und notwendigem Abbau von Überstunden alle Filialen geschlossen. Das ist ein Rückschritt." Als eine der meistbesuchten Kultureinrichtungen der Stadt sollten zumindest die Zentralbibliothek und die Musikbibliothek geöffnet bleiben, fordert der Förderverein. Nach dessen Umfrage unter 13 Stadtbibliotheken vergleichbarer Großstädte, darunter Magdeburg, Dresden, Karlsruhe, Potsdam und Chemnitz, hätten alle an mindestens zwei Werktagen zwischen den Feiertagen geöffnet. "In Magdeburg wurde für die Bibliothek sogar eine Ausnahmegenehmigung von den städtischen Betriebsferien erwirkt", so Kupke, "weil laut der Magdeburger Bibliotheksleitung dann viele Bürger frei haben und somit Zeit für Kultur."

Steppan verweist darauf, dass die hallesche Stadtbibliothek im Gegenzug zur Jahresend-Schließung am vergangenen Samstag Sonderöffnungszeiten bis 16 Uhr angeboten habe. Ansonsten würden die Zahlen der vergangenen zwei Jahre zeigen, dass zwischen den Feiertagen 492 (2007) und 474 (2008) Besucher pro Tag in die Stadtbibliothek gekommen seien. "Das ist knapp ein Viertel der Nutzer an normalen Dezember-Öffnungstagen." An den jeweils vier geöffneten Jahresend-Tagen wurden 2007 insgesamt 5 390 Entleihungen und 2008 insgesamt 3 034 Entleihungen gezählt.

Dennoch sieht der Förderverein "dringenden Handlungsbedarf" bei der Stadt: "Während deutschlandweit die kommunalen Großstadt-Bibliotheken geöffnet haben, hat die Stadtbibliothek der Kulturhauptstadt Halle geschlossen", so Kupke. "Das kann nicht das letzte Wort sein."

 

 

KOMMENTAR:

Frank Czerwonn meint, dass die halleschen Finanzsorgen nicht den Zugang zur Kultur regeln dürfen.

Falsches Signal

Mit ihrem Slogan "Schock deine Eltern - lies ein Buch" hat die Stadtbibliothek Aufsehen erregt und Leser gewonnen. Doch zum Jahresende wird so manchen Eltern dieser Schock erspart bleiben. Denn die Bücherei bleibt zu. Natürlich könnte man Lesestoff vorsorglich ausleihen oder im eigenen Bücherregal stöbern -so man eins hat. Trotzdem wirft die Entscheidung kein gutes Licht auf das Rathaus.
Einerseits wird mit zahllosen, nicht immer preiswerten Aktionen versucht, Kinder und Jugendliche an Kultur heranzuführen: Lesewettbewerbe, Buchpaten, Kinder-Theaterstücke, Tag des Buches, sogar eine Kinderoper hat Halles Opernhaus aus der Taufe gehoben. Andererseits verhindert man zum Jahresausklang, wenn viele Zeit für Kultur haben, die simple Buchausleihe. Das passt nicht zusammen. Offenbar zählt letztlich -entgegen aller Kulturhauptstadt-Floskeln - nur der Finanzaspekt. Dies ist, trotz mäßiger Nachfrage in den Vorjahren, das falsche Signal. Denn man verzichtet auf rund 2 000 Leser. Und es provoziert die Frage: Was kommt als nächstes dran?