Freunde der Stadtbibliothek Halle e.V.
 
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Bibliotheken vor dem Aus?

KÜRZUNGSPLÄNE Auf der städtischen Streichliste stehen die Bücherei-Zweigstellen und der Bücherbus. Deren mögliche Schließung führt nun zu massiven Protesten.

HALLE/MZ, 17.11.2008

- 621 400 Euro soll die Stadtbibliothek zu den fünf Millionen beisteuern, die die Stadtverwaltung bei freiwilligen Leistungen einsparen will. In der Streichliste, auf der Sparpotentiale aufgezeigt werden, steht dazu: "Vorschlag zur Reduzierung: Außenstellen/Fahrbibliothek". Im Klartext heißt das, dass die Verwaltung die letzten drei verbliebenen Filialen und den Bücherbus abschaffen will. Damit bliebe nur die Hauptbibliothek am Hallmarkt übrig - von 21 Büchereien, die es noch 1992 im Stadtgebiet gab.

Der Verein der Freunde der Stadtbibliothek ist entsetzt über die Pläne. "Die Schließung aller Zweigbibliotheken kann doch nicht ernsthaft die Position der Stadt sein", sagt Vereinschef Wolfgang Kupke, der auch CDU-Stadtrat ist. "Dieser Vorschlag erfolgt ohne jede Sachkenntnis." Man habe anscheinend einfach jene Summe, die beim diesjährigen Zuschuss für die Bibliothek über der Zwei-Millionen-Grenze liegt, als Kürzungsbetrag angesetzt. Doch die Stadtteilbibliotheken West, Süd und Nord sowie die Fahrbibliothek verursachen nur Sachkosten von rund 90 000 Euro. "Das bedeutet, dass Personal reduziert werden muss - rund 13 Vollzeitstellen", rechnet Kupke vor. Das seien mehr, als in den Zweigstellen überhaupt arbeiten. "Also müssten auch in der Hallmarkt-Bibliothek Stellen und Öffnungszeiten reduziert werden."

Unter Bibliotheksnutzern und Autoren sorgen diese Aussichten für Unruhe und Empörung. Das wurde auch vergangene Woche auf dem Bürgerforum in Neustadt deutlich. So meinte unter anderem die Schriftstellerin Margret Richter, die in der Neustädter Filiale Vorlesungen für Kinder hält, dass an Bildung - gerade in sozialen Brennpunkten - nicht gespart werden dürfe. Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados (SPD) antwortete, dass es nicht um Streichung, sondern um Effektivierung gehe. "Wir versuchen, mit weniger Geld das Gleiche zu erreichen."

Doch auch im Stadtrat scheinen die Pläne wenig Chancen zu haben. Die Fraktion der Linken lehnt das Vorhaben komplett ab. "Das kann überhaupt nicht gehen", kritisiert Fraktionschef Bodo Meerheim. "Da steckt inhaltlich keine Überlegung dahinter!" Auf die Frage, wie das umgerechnet werden soll, bekäme man nur schwammige Antworten. SPD-Fraktionschef Johannes Krause sieht das Vorhaben "mit Blick auf das, was wir alle fordern - nämlich mehr Bildung" als "hochproblematisch" an. "Doch muss der Stadtrat diskutieren, wo wir sparen wollen. Egal was wir nehmen, es wird überall Aufschreie geben."

Die CDU-Fraktion will heute über die Bibliothekspläne debattieren. "Wir müssen über Kürzungen nachdenken", meint zwar Fraktionschef Bernhard Bönisch, der auch Schließungen nicht für unmöglich hält. "Doch die Summe erscheint mir unangemessen hoch." Das könne die Substanz bedrohen.

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BISHERIGER ABBAU

Drei Filialen sind übrig geblieben

Die Schließungswelle von Zweigbibliotheken begann 1992 mit der Filiale im Schorlemmer-Ring. Ein Jahr später wurden acht weitere Stadtteilbibliotheken geschlossen. 1997 folgten die Zerbster und die Eislebener Straße. Die bisher letzte Reduzierung mit gleichzeitigem Abbau von 26 Vollzeitstellen erfolgte 2003 im Schafschwingelweg (Heide-Nord), Am Treff (Neustadt), Wittenberger Straße (Silberhöhe), Lessingstraße (Paulusviertel), Böllberger Weg (Gesundbrunnen) und Göttinger Bogen (Neustadt). Übrig blieben neben der Zentral- und Musikbibliothek die Filialen Zur Saaleaue, Südstadtring und Reilstraße.

Ende 2004 wurde die Jahresgebühr für Leser über 18 Jahre eingeführt, was zu einem Einbruch der Nutzerzahlen führte. Doch längst steigen die Zahlen wieder. So nahmen die Ausleihen in den vergangenen zwölf Monaten um 3,3 Prozent zu. 2008 wurden bis Oktober 299 701 Leser gezählt.