Freunde der Stadtbibliothek Halle e.V.
     
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Mitteldeutsche Zeitung Halle, 17.2.2012


Neue Bücher fehlen bald im Regal


von Michael Falgowski

Im Streichkonzert der Haushaltsdebatte droht Halles Bibliothek unterzugehen. Die Verwaltung plant, 2013 die Zweigstelle im Süden im Kaufland-Center und 2015 dann auch die beliebte Filiale Nord in der Reilstraße zu schließen. So steht es im Haushaltskonsolidierungskonzept.
Ein schleichender Tod der gesamten Bibliothek droht allerdings durch die aktuelle Sparpläne: 120 000 Euro für den Kauf neuer Medien sollen eingespart werden. Das hat Kulturbeigeordneter Tobias Kogge am Mittwochabend im Kulturausschuss in die erste Haushaltsdebatte 2012 geworfen. "Dann können wir die Bibliothek gleich schließen", ist Wolfgang Kupke, Chef des Freundeskreises der Stadtbibliothek, entsetzt. So die Bibliothek könnte perspektivisch gar keine neuen Medien mehr ankaufen. Denn der Bibliothek standen bisher jährlich 195 000 Euro für Ankäufe zur Verfügung - einschließlich Landesfördermittel. Doch durch die geplante Streichung der 120 000 Euro als kommunaler Eigenanteil würde wohl auch das Land aussteigen.
Aktuelle Medien, so Kupke, seien aber für die Attraktivität einer Bibliothek unverzichtbar. Das weiß auch Tobias Kogge. "Die Einsparung hätte einen Besucherschwund zur Folge, der sich auch in den Folgejahren auswirkt: Die Einnahmen würden sich verringern." Die Folge: Mittelfristig sei ein Überleben einer modernen, mit aktuellen Medien ausgestatteten Stadtbibliothek nur bei Schließung der Zweigstellen und Konzentration auf die Zentral- und Musikbibliothek sowie die Fahrbibliothek denkbar.
Dennoch lautet sein Vorschlag: Die Stadträte sollen nun einen 2006 gefassten Beschluss aufheben, wonach sämtliche Gebühren der Hallenser für Neuanschaffungen zu nutzen sind. Doch im Kulturausschuss zeichnete sich dafür keine Mehrheit ab. Vielmehr hatte man prinzipielle Probleme mit dem gesamten überall verteilten geplanten Kahlschlag der Kultur. "Ich benötige zunächst mal Prioritäten", sagte Ulrike Wünscher (CDU). Sie wolle nicht an Bildungsangeboten wie Bibliothek, Konservatorium oder Volkshochschule sparen. Auch Ines Brock (Grüne) kritisierte, dass keine Alternativen aufgezeigt seien.
Seit Jahren wird an der "freiwillige Aufgabe" Bibliothek gespart. Seit 1992 wurden 23 Zweigstellen geschlossen. Nun gibt es noch die Zweigstellen Süd, Nord und West. Inzwischen haben sich im Bereich der Nord-Zweigstelle Eltern zusammengefunden, die Unterschriften sammeln. Mit mehr als 250 000 aktiven, ausleihenden und mehr als 350 000 gezählten Besuchern ist die Stadtbibliothek die meist besuchte Kultureinrichtung der Stadt. 2011 wurden 1,3 Millionen Entleihungen, 6,5 Prozent mehr als im Vorjahr, gezählt.