Freunde der Stadtbibliothek Halle e.V.
 
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Mitteldeutsche Zeitung Halle, 12.12.2008

Wie viele Büchereien braucht eine Stadt?

Der Bibliotheksverband übt Kritik und fordert den Erhalt der drei Zweigstellen und des Bücherbusses


Haben Halles Zweigbibliotheken noch eine Zukunft? Wenn es nach den Kürzungsplänen der Stadtverwaltung geht, nicht. Alle drei noch verbliebenen Büchereien und auch der Bücherbus müssten nämlich wegfallen, sollte Halles Bibliothek tatsächlich gut 620 000 Euro einsparen müssen (die MZ berichtete). Am Donnerstag rief der Beirat des Bibliotheksverbands Halles Stadträte dazu auf, sich den Plänen zu widersetzen.

Die Beiratsvorsitzende, die bündnisgrüne Bundestagsabgeordnete Undine Kurth, forderte, man dürfe diese "Orte der kulturellen Vielfalt nicht zur Diskussion stellen". Insgesamt will die Stadt fünf Millionen Euro bei den freiwilligen Leistungen - und dazu gehören auch die Bibliotheken - sparen.

Zumindest einen Stadtrat weiß Undine Kurth auf ihrer Seite: Wolfgang Kupke (CDU), der auch Vorsitzender des Vereins "Freunde der Stadtbibliothek" ist. Die Stadträte hätten bereits abgelehnt, die Vorlage überhaupt zu besprechen, sagte er. Nun hoffe die Verwaltung wohl auf einen Beschluss, der pauschal Minderausgaben in Höhe der angestrebten fünf Millionen Euro vorsieht. "Fällen die Stadträte einen solchen Beschluss, kann die Verwaltung den Rotstift ansetzen, wo sie will, ohne die Stadträte erneut zu fragen", warnt Kupke. Sein Ziel sei, auch andere Stadträte davon zu überzeugen, diesen "Freibrief" für Kürzungen nicht zu geben.

Undine Kurth wies darauf hin, dass in der Vergangenheit "in Halle bereits massiv Zweigstellen geschlossen" wurden. Nach der Wende habe es noch 20 Bibliotheksfilialen gegeben.

Was für den Beirat die Sache noch viel dramatischer macht: Die geforderte Einspar-Summe in Höhe von 620 000 Euro könnte mit der Streichung der Zweig- und der Fahrbibliothek nicht einmal erreicht werden. "Es geht also letztlich um eine Personaleinsparung", so Undine Kurth. Derzeit gibt es 46 Vollzeitstellen, verteilt auf 53 Mitarbeiter, sagte Bibliothekschefin Hildegard Labenz. Der Zuschuss für die Bibliotheken belief sich in diesem Jahr auf 2,62 Millionen Euro.

Würde allein die Hauptbibliothek am Hallmarkt übrig bleiben, so wäre das viel zu wenig: Peter Petsch, Beiratsmitglied und Chef der Magdeburger Stadtbibliothek, findet, das Haus sei ohnehin "eine ganz, ganz kleine Zentrale für so eine große Stadt".

Stadtrat Kupke indes weiß, dass es schwer ist, öffentliche Aufmerksamkeit für die Büchereien zu gewissen. Nur sechs Prozent der Hallenser sind eingetragene Nutzer. Das klingt nach wenig. Gleichwohl wurden im vergangenen Jahr mehr als eine Million Ausleihen gezählt. Tendenz steigend: In diesem Jahr wurde die Vorjahresmarke bereits Ende November erreicht.

Die Beiratsvorsitzende Kurth hatte am 21. November in einem Brief Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados (SPD) um eine Stellungnahme gebeten. Eine Antwort steht bis heute aus.