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Freunde der Stadtbibliothek Halle e.V.
     
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Mitteldeutsche Zeitung, 11.1.2010

Brecht und Kafka gehen immer

BÜCHERTAUSCH - Verein hilft Stadtbibliothek durch Basare. 2009 wurden 20 000 Euro eingenommen und dafür neue Medien gekauft sowie Ausleihkarten finanziert.

"Die Leute können einfach keine Bücher wegwerfen", sagt Wolfgang Kupke, Vorsitzender des Vereins "Freunde der Stadtbibliothek". Verständnis und Achtung schwingen in seinen Worten mit. Dennoch: Nicht alles Gedruckte, von dem sich Hallenser trennen, lässt sich auch wieder veräußern. Doch genau das würden die Vereinsmitglieder am liebsten tun. Schließlich werden vom Erlös der regelmäßig stattfindenden Bücherbasare neue Werke - zum Lesen, Hören oder Sehen - für die Stadtbibliothek angeschafft.
Immerhin 20 000 Euro sind nach Kupkes Angaben im vorigen Jahr zusammengekommen. Davon wurden beispielsweise mehrere Exemplare des Romans "Atemschaukel" der Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller gekauft sowie des Buches "Du stirbst nicht" von Kathrin Schmidt, die dafür mit dem Deutschen Buchpreis 2009 ausgezeichnet worden war. Rund 5 000 Euro, so Kupke weiter, wurden zur Verfügung gestellt, damit bedürftige Hallenser für einen Euro eine Jahres-Ausleihkarte für die Stadtbibliothek erwerben konnten. 815 Halle-Pass-Besitzer haben davon Gebrauch gemacht und sind nun Bibliotheksbesucher.
Etwa 50 bis 60 Menschen, so die Erfahrung des Vereinschefs, kommen zu einem Bücherbasar [Achtung: richtig hätte es heissen müssen: 500-600 Personen]. Es könnten mehr sein. Doch noch immer habe es sich wohl nicht so recht herumgesprochen, dass der Verein mit seinen Büchern und den anderen Medien aus dem Haus Rannische Straße 9 aus- und ins Riesenhaus eingezogen ist. Obwohl nur wenige Meter zwischen beiden Gebäuden liegen: "Der frühere Standort direkt an der Straßenbahnhaltestelle war insofern besser, als dass wir eben auch 'Laufkundschaft' hatten", sagt Kupke. Für die ehrenamtlichen Mitstreiter freilich hätten sich die Bedingungen verbessert, und die fast 20 000 Bücher könnten auch günstiger gelagert und präsentiert werden.
Dennoch: Nicht jeder werde auf der Suche nach bestimmten Druckerzeugnissen fündig. "Für Sammler, die nach wertvollen Büchern Ausschau halten, sind wir nicht die richtige Adresse", weiß Kupke. Kinderbücher hingegen gingen immer, ebenso Klassiker wie Brecht und Kafka oder aktuelle Taschenbücher. Auch Germanistik- oder Theologie-Studenten finden zuweilen Werke, die sich im Studium nutzen lassen.
"Praktisch durch" ist nach Kupkes Worten die DDR-Belletristik. Auch Schallplatten seien so gut wie unverkäuflich, zu Videokassetten greife ebenfalls kaum noch jemand. Gleiches gelte für Zeitschriften. Einzige Ausnahme dabei: Alles, was thematisch mit Eisenbahnen zu tun hat. "Da verkaufen wir alles - je älter, desto besser". Ebenso finden Bastler zuweilen etwas Gedrucktes, das sie für ihr Hobby gebrauchen können.
Unabhängig davon betont der Vereinschef: "Niemand soll unser Haus unzufrieden verlassen." Deshalb werde alles angenommen. Kinder bekommen zudem immer ein Buch geschenkt. "Wir wollen ja zum Lesen anregen." Finde sich für bestimmte Bücher kein Käufer, schauen Mitarbeiter der Franckeschen Stiftungen, was sie für die Familienbibliothek gebrauchen können. Restbestände würden verkauft, der Erlös gehe an den Francke-Kindergarten. Kommentar

Der nächste Bücherbasar findet am Donnerstag, 14. Januar, von 13 bis 17 Uhr im Riesenhaus, Große Brauhausstraße 17, Telefon 5 25 18 75 , statt. Gebrauchte Bücher werden außerdem jeden Mittwoch von 14 bis 17 Uhr angenommen.


Axel Augustin arbeitet ehrenamtlich im Riesenhaus in der Großen Brauhausstraße, in dem regelmäßig Bücherbasare stattfinden. (FOTO: THOMAS MEINICKE)